Artikel vom 13.02.2014

»Als Arzt weiß ich, wie wichtig Vertrauen ist«

Foto: Anzeiger/Fischer

In seiner knappen Freizeit liest der Schellenberger CSU-Bürgermeisterkandidat gerne Fachliteratur.

Marktschellenberg – Vertrauen. Darum geht es ihm. Vertrauen in die Politik. Vertrauen in die Politiker. Und Vertrauen darauf, dass es Marktschellenberg packen kann. »Als Arzt weiß ich, wie wichtig Vertrauen ist«, sagt Dr. Michael Köhler. Der Mediziner bewirbt sich für die CSU um das Bürgermeisteramt. Verbalattacken auf seine Mitbewerber Thomas Jander (SPD) und Franz Halmich (FW) wird man von dem 67-Jährigen allerdings nicht hören. »Man kann Menschen auch oberhalb der Gürtellinie ansprechen«, lautet sein Credo.

Das Jägerzimmer ist sein Reich. Hierhin zieht sich Dr. Michael Köhler zurück, wenn er – hin und wieder mal – Freizeit hat. In seinem Haus am Ettenberg ist dieser Raum sein Refugium. Aus dem CD-Spieler tönt lautstarker Rock aus den Sechzigern, es gibt Schwarztee. Und Köhler-Taler aus Schokolade. Die hat der Mann in Bluejeans und Freizeithemd für den Wahlkampf herstellen lassen. Vorerst 300 Stück. Außen herb, innen süß. Passt schon irgendwie.
Die Bibliothek platzt aus allen Nähten, der Schreibtisch quillt über vor lauter Büchern. Fachliteratur, Krimis, Bildbände. »Ich lese meistens drei Bücher gleichzeitig«, scherzt der Arzt mit der markanten Brummbass-Stimme. Köhler spricht langsam, knapp und präzise. Die Antworten sind meist kürzer als die Fragen. Und stets verbindlich. Jeder Satz klingt wie eine unumstößliche Wahrheit.

Tracht nur zu feierlichen Anlässen
Auch nach 37 Jahren in Marktschellenberg kann – und will – Köhler seine preußische Herkunft nicht verbergen. Zu feierlichen Anlässen trägt er Tracht. Den Gamsbart hat sich der passionierte Jäger selbst geschossen. Ansonsten möchte er das Berchtesgadener Brauchtum denjenigen überlassen, die sich damit besser auskennen.
Dass er nicht mehr der Jüngste ist, weiß Michael Köhler selber. Für sechs Jahre auf dem Bürgermeisterstuhl fühlt er sich aber locker fit genug. »Ich bin gut beieinander, habe keine künstlichen Herzklappen, keine Stents und keine künstlichen Gelenke«, scherzt der Arzt. Außerdem bringe das Alter Gelassenheit und Erfahrung mit sich.
»Ich habe immer vertrauensvoll mit den anderen Gemeinderäten zusammengearbeitet. Schließlich muss man einen Konsens finden. Was uns auch immer wieder gelungen ist«, betont Köhler. Die Querelen der vergangenen Jahre seien »von außen in das Gremium getragen« worden.

»Pro-Kopf-Verschuldung sagt nichts aus«
Für die Zukunft sieht Dr. Michael Köhler keine großen Probleme auf die Marktgemeinde zukommen. »Die Herkulesaufgaben Kirchgasse und Kanalbau sind erledigt.« Auch dem Haushalt stellt er ein zufriedenstellendes Gesundheitszeugnis aus. »Die Aufgaben können wir meistern«, ist sich Köhler sicher. »Die Pro-Kopf-Verschuldung sagt doch gar nichts aus.«
Politische Ziele hat Michael Köhler schon ein paar. Hausieren geht er jedoch nicht damit. Man muss schon nachfragen. Zum Beispiel nach dem Flächennutzungsplan. Den will Köhler dazu nutzen, um eine Zersiedelung zu vermeiden und sinnvolle Flächen für Wohnungsbau und Gewerbe zu finden. Dass das nicht leicht ist, weiß er. »Aber wir müssen alle Möglichkeiten prüfen. Und auch Flächen einschließen, die eventuell mal infrage kommen könnten«, sagt er.
Wichtig ist Dr. Köhler auch der Tourismus. Der sei in Marktschellenberg kleinteilig und überschaubar. Was den Ort aber gerade deshalb so reizvoll für Familien mache. Und mit der Almbachklamm, der Eishöhle und der Toni-Lenz-Hütte verfüge Marktschellenberg über weithin bekannte Attraktionen, die man erhalten müsse. Genauso wie die Gesundheitswochen. »Die könnten wir sogar noch ausbauen«, findet Michael Köhler.
Und ein gesellschaftlicher Ortsmittelpunkt, also eine gute Gaststätte oder ein Vereinsheim, müsse her. »Wir brauchen einen Ort, an dem man zusammenkommen und miteinander reden kann. Dann würde es bestimmt viele der momentanen Probleme nicht geben«, betont der CSU-Kandidat. Vielleicht könnte man auch das Gasthaus »Forelle« touristisch nutzen. Denkverbote gibt es bei Dr. Michael Köhler nicht. Deshalb hält er es auch für durchaus möglich, einen Experten um Rat zu fragen. Um ein touristisches Leitbild für Marktschellenberg zu entwickeln.
Fragen nach der schlechten Stimmung in Marktschellenberg hört Dr. Michael Köhler nicht gerne. Seine Absicht, die Wogen zu glätten, kauft man ihm jedoch ab. »Wir müssen wieder offen miteinander reden«, fordert er. Von Verschwörungstheorien und anonymen Anschuldigungen hält er nichts. So etwas wie den politischen Feind gibt es für den Arzt nicht. »Die Parteizugehörigkeit ist auf kommunaler Ebene zweitrangig. Hier geht es um pure Notwendigkeiten«, stellt der CSU-Mann klar.

»Bußgeld ist nicht gerade eine Belobigung«
Auch über seine Mitbewerber verliert Köhler kein böses Wort. Im Gegenteil. »Natürlich ist ein Bußgeld nicht gerade eine Belobigung. Aber das ist vorbei. Ich komme gut mit ihm zurecht,« sagt Köhler über Franz Halmich. Und schiebt ganz sachlich hinterher: »Ich halte mich allerdings für offener, entscheidungs- und diskussionsfreudiger.«
Auch SPD-Kandidat Thomas Jander schätze er als Kollegen im Gemeinderat sehr. »Er ist mir jedoch manchmal zu dogmatisch und nicht flexibel genug.«

»Effektivität, Offenheit und Entscheidungsfreude«
Mit diesen Eigenschaften sieht sich Dr. Michael Köhler gut gerüstet für das Amt des Bürgermeisters. »Ich kann auf Leute zugehen und zuhören«, sagt er. Außerdem pflege er eine Offenheit gegenüber allen Fraktionen. Und als Arzt sei er es gewöhnt, effizient zu arbeiten und Entscheidungen zu treffen. Vor dem Verwaltungsaufwand im Amt habe er keine Angst. »Wir haben in Marktschellenberg einen überaus kompetenten Geschäftsleiter«, sagt Köhler. Die Verwaltung sei bestens aufgestellt. Auch wenn die Rathausmitarbeiter »unter den momentanen Verwerfungen leiden«.
Unter anderem deshalb müsse Marktschellenberg wieder zur Ruhe kommen. Daran würde Dr. Michael Köhler als Bürgermeister arbeiten. Um genügend Zeit für seine Verpflichtungen zu haben, würde er seine Arzttätigkeit reduzieren. In seine Oberauer Praxis wolle er sich eine Assistentin holen und seine Kurarzttätigkeit einschränken. »Ich hätte dann also genug Zeit, um sie in das Bürgermeisteramt zu investieren«, sagt Dr. Michael Köhler.
Christian Fischer
Quelle: Berchtesgadener Anzeiger

CSU Ortsverband Marktschellenberg, 1. Vorsitzender Dr. Micheal Köhler, Ahornweg 1, 83487 Marktschellenberg